Artikel

Aus der Sicht einer Schutzbrille

Hallo. Ich bin eine Schutzbrille. Und ich habe ein kleines Problem: Ich sehe seit drei Wochen ausschliesslich Stirn.

Keine Späne. Keine Funken. Keine Gefahr. Nur Stirn. Manchmal eine Haarsträhne. Einmal kurz die Sonne, als mein Mensch in die Pause ging. Eigentlich hätte ich einen wichtigen Job. Aber den darf ich gerade nicht machen.

Ich dachte, ich erzähle euch heute mal, wie es so läuft – aus meiner Sicht. Aus der Sicht der PSA, über die sonst alle reden, ohne sie zu fragen.

Mein Arbeitsplatz: deine Stirn

Eigentlich gehöre ich vor die Augen. Da bin ich gut. Da fange ich den Splitter ab, der sonst in der Hornhaut landet. Da bin ich der Unterschied zwischen „nochmal Glück gehabt“ und Notaufnahme.

Stattdessen sitze ich auf der Stirn. Und von hier oben kann ich dir eines ganz sicher sagen: Ich schütze deine Augenbrauen hervorragend. Deine Augen leider gar nicht.

Das ist das Tückische: Für deinen Chef, für die Kontrolle, für das Foto sieht es so aus, als wärst du geschützt. Ich bin ja da. Sichtbar. Nur eben 15 Zentimeter zu weit oben.

Drei Dinge, die ich dir gerne sagen würde

1. „Nur kurz“ kennt mein Splitter nicht

Ich höre es ständig: „Ich mach das nur schnell.“ Das Problem ist – der Span, der gerade abplatzt, hat deinen Zeitplan nicht gelesen. Er kommt in dem einen Moment, in dem ich auf der Stirn sitze. Immer.

2. Wenn ich beschlage, ist das auch dein Problem

Ja, ich beschlage manchmal. Ich kratze manchmal. Ich drücke hinter den Ohren. Und ich weiss, dass du mich dann absetzt. Aber ehrlich: Das ist kein Charakterfehler von dir – das ist ein Auswahlfehler. Es gibt mich mit Antibeschlag-Beschichtung, kratzfest und in einer Form, die zu deinem Gesicht passt. Du musst mich nur in dieser Version verlangen.

3. Deine normale Brille ist nicht meine Kollegin

Wenn du eine Korrektionsbrille trägst und denkst „hab ja was vor den Augen“ – nein. Eine normale Brille ist keine Schutzbrille. Sie zersplittert, sie hält keinen Aufprall. Es gibt mich als Überbrille oder mit Sehstärke. Frag danach.

Was ich mir wünsche

Ich bin günstig. Ich bin geduldig. Ich verlange nichts, ausser ein paar Zentimeter weiter unten zu sitzen. Und dafür bringe ich dich mit beiden Augen nach Hause.

Also: Wenn du mich das nächste Mal auf die Stirn schiebst, „nur kurz“ – denk an diesen Text. Irgendwo schreibt eine Schutzbrille gerade traurig ihren Blog.

In Liebe, deine Schutzbrille. 🤓

(Klingt albern? Vielleicht. Aber die Suva registriert in der Schweiz rund 120 Augenverletzungen – pro Tag. Die meisten davon bei „nur kurzen“ Arbeiten. Vielleicht hört man ja eher auf eine Brille als auf eine Vorschrift.)

Pssst… Danke fürs Lesen. Ich halte meine Inhalte bewusst kostenlos und neutral. Wenn dir der Beitrag etwas gebracht hat und du dich bedanken möchtest: Ein Kaffee kostet in der Schweiz inzwischen rund 5 CHF – darüber würde ich mich freuen (und nein, böse wäre ich nicht 😉).

Hier kannst du mir einen Kaffee spendieren: buymeacoffee.com/ldsafety

Hat Ihnen dieser Artikel geholfen?

Alle Artikel sind kostenlos. Wenn Sie meine Arbeit unterstützen möchten – ich freue mich über einen Kaffee. ☕

☕ Buy me a coffee

Nichts mehr verpassen

Neue Artikel direkt in Ihr Postfach.

Neue Artikel und PSA-Wissen per E-Mail. Abmeldung jederzeit möglich – einfach kurze Nachricht.